Anubis - Puschkinmuseum Moskau, Foto: Kolja Kaldun
presse

“Rappender Grieche überwältigt machthungrigen Priester”

MAZ vom 01.09.2006

Märkische Allgemeine Zeitung;
Freitag, 1 September 2006

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Rezension der Musicalzentrale
mit freundlicher Genehmigung des Autors, Musicalzentrale

Ägyptical
Vom Sande verschüttet
Intrigen am Hof des Pharaos

Nephthys - Lisa-Marie Kurtze

Schicksalsträchtige Pharao-Pop-Soap in opulenter Optik.
Trotz Längen in Inszenierung und Ablauf eine gelungene Aufführung der Musical-AG der Seeschule Rangsdorf.
(Text: Kai Wulfes)

Foto: Jens-Christof Niemeyer

Färber, Steuereintreiber und Tempeltänzerinnen.
Wenn sich der Vorhang zum ersten Mal öffnet, bevölkern sie und alle weiteren Jung-Darsteller, unbewegt und wie auf einem riesigen Gemälde vereint, die Bühne. Einzeln oder in Gruppen setzen sich dann die 34 Protagonisten nacheinander in Bewegung und stellen sich dem Publikum mit Namen und Funktion vor.
Schön, wenn Pädagogen wie Eunan Tobin und Kolja Kaldun ein gemeinsam mit ihren Schülern konzipiertes Musical inszenieren! Im Gegensatz zu einigen Theaterleuten berücksichtigen sie die Bedürfnisse ihrer Zuschauer und gestalten das Spiel vom ersten Moment an nachvollziehbar. Und weil das Regie-Duo die Besucher lieber glücklich und ausgeglichen nach Hause schicken möchte, fügt es dem eigentlich tragischen Ende der Geschichte rund um den fiesen Oberpriester Haremhab, der die schöne Nephtys zur Ehe mit sich nötigt, ein alternatives Finale an.
In der Happyend-Variante wird der Zwangs-Ehemann dahingemeuchelt, die Braut fällt ihrem Liebsten Haras in die Arme und der Pharao erlässt seinen gebeutelten Bürgern ihre Steuerschulden. Gerade in dieser parodistischen Schlussszene beweisen alle Beteiligten, dass sie neben den ernsteren Tönen auch das komische Element beherrschen.

Ein Trumpf dieser Aufführung ist ihr optischer Rahmen (Bühnenbild: Musical-AG der Seeschule Rangsdorf): Die Bühnenrückwand wird von riesigen Sandsteinquardern gebildet, die in den Szenen im Palast des Pharaos und im Tempel mit prächtigen, überdimensionale Götterdarstellungen und Hieroglyphen geschmückt sind. Hinzu kommen passendes Mobiliar und mit viel Liebe zum Detail zusammengestellte Requisiten. Ebenso stimmig sind die opulenten, ägyptisierenden Kostüme (Manuela Kurtze) mit viel Tüll und Glitter für die Herrscherklasse und in eleganter Schlichtheit für das einfache Volk. Kleine optische Gags wie zum Beispiel das scharz-weiß-geflecktes Kostüm von Leibkoch Mukuh oder die mit Quietsche-Entchen und die Wurzelbürste bepackten Dienerinnen beim Badeausflug des Oberpriesters lockern das Geschehen immer wieder auf.

Aus dem großen Ensemble mit Schülern aller Klassenstufen ragen einige Talente heraus. Tim Kordes als Leibkoch überzeugt mit deftiger Komik und sichergeführter Bassstimme in seinem "Mukuh"-Song, während Felix Neumann der Sprechrolle des Bösewichts Haremhab sowohl Würde als auch die erforderliche Diabolik verleiht. Eine ihm ebenbürtige Partnerin in den Dialogen ist Lisa-Marie Kurtze (Nephthys), die stimmlich mit dem "Dabei liebe ich ihn nicht"-Blues punkten kann. Mit angenehmer und leicht rockiger Stimme orakelt Mandy Harczstark (Mi) in "Wo der Fluss am stärksten schwillt", während Tatjana Schröder als treu liebender Haras zwar eine etwas undankbare Rolle spielen muss, dafür für ihre beiden Soli "Nur dunkle Schatten über uns" und "Mein Herz ist schwer" verdientermaßen den meisten Applaus einheimst.

Wegen des schleppenden technischen Ablaufs am Premierenabend hinterlässt die Show noch einen etwas behäbigen Eindruck. Glücklicherweise aber fegt die engagierte Darsteller-Riege mit Spielwitz und Charme jeglichen Sand, der ins Getriebe geraten ist, immer wieder fort.

Kreativ-Team
Autoren:
Musical-AG der Seeschule Rangsdorf
Musik: Dr. Eunan Tobin, Tim Kordes
Inszenierung: Dr. Eunan Tobin, Kolja Kaldun
Bühnenbild: Musical-AG der Seeschule Rangsdorf
Kostüme: Manuela Kurtze

Besetzung
Nephthys, Dienerin des Pharoas - Lisa-Marie Kurtze
Haremhab, der Hohe Priester - Felix Neumann
Haras, Obsthändler - Tatjana Schröder
Pille, ein schwedischer Tourist - Florian Domnick
Palle, Bruder von Pille - Silvio Lühnsdorf
Das Orakel Mi - Mandy Harczstark
Bei’Napos, einbeiniger Bettler - Georg Kapella
Odysseus, Durchreisender - Christoph Jonas
Echnaton, Pharao - Christopher Elbourne
Nofretete - Franziska Winter
Muhkuh, Koch des Hohen Priesters - Tim Kordes
Hodr´uff, Wächter des Hohen Priesters - Christian Makuth
Fuja - Dienerin des Pharaos - Lea Baran
Tekanoel, Verlobter von Fuja - Felix Jäger
Tindus, Haras Helfer und Schützling - Florian Engelbrecht
Hioth anch Ptah, Steuereintreiber - Julian Oldengott
Nerobe, Färber, Vater von Nephthys - Robin Bierlein
Ma´am. Mutter von Nephthys - Silke Domes
Tut, Sohn des Pharao - Phil Tobin
Anch, Tochter des Pharao - Ann-Christin Kurtze
Tempeltänzerinnen - Nora Naß, Maria Schneidewind, Rebecka Biederbick, Julia Thieme
Händler - Christopher Elbourne, Silke Domes, Stefanie Bertling, Gina Kurtze, Pascal Bigell
Wächter - Stefanie Bertling, Gina Kurtze, Maria Reer, Pascal Bigell, Gina Gayda, Julian Harms
Diener - Pascall Bigell
Dienerinnen - Silke Domes, Stefanie Bertling, Gina Kurtze, Maria Reer, Marie Tobin, Melanie Regel
Kellner - Georg Kapella
Beamter - Felix Jäger
CHV (Cholericus Hystericus Violenzium) - Dr. Eunan Tobin
Fakir, Standartenträger - Kolja Kaldun

Musiker
Gitarre: Niels Füssel
Saxophon: Christine Krüger
Schlagzeug - Christian Makuth
(Text: kw)

(...)

Quelle: www.musicalzentrale.de/index.php?service=0&subservice=2&details=1292

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Stand: 22.03.08

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